Der Lastgang ist das Messprotokoll Ihres Stromanschlusses: für jede Viertelstunde des Jahres ein Mittelwert Ihres Bezugs in Kilowatt. Diese Datei ist die belastbarste Beschreibung, die es von Ihrem Betrieb gibt — sie zeigt, wann Sie Strom brauchen, wie hoch Ihre Spitzen sind und was ein Speicher daran ändert. Sie gehört Ihnen, und Ihr Netzbetreiber gibt sie auf Anforderung heraus.
1 · Die Jahreshöchstlast. Der höchste Viertelstundenwert des Jahres bestimmt Ihren Leistungspreis. Der Lastgang zeigt zusätzlich, wann die Spitze auftritt und wie oft Werte in ihrer Nähe liegen — daraus folgt, mit wie viel Speicherleistung und -kapazität sie sich kappen lässt. Eine Spitze am Wintermorgen um 6:15 Uhr erzählt eine andere Geschichte als eine breite Sommermittagsspitze.
2 · Die Grundlast. Der niedrigste wiederkehrende Wert — typisch nachts und am Wochenende — zeigt, was durchläuft: Kühlung, Lüftung, Druckluft, Standby. Eine Grundlast von 20 kW bedeutet über 175.000 kWh im Jahr. Auffällig hohe Nachtwerte sind oft der schnellste Einspareffekt, den eine Lastgang-Auswertung zutage fördert — noch vor jedem Speicher. Ein Druckluftleck arbeitet 8.760 Stunden im Jahr gegen Sie.
3 · Die Benutzungsdauer. Jahresverbrauch geteilt durch Jahreshöchstlast. Sie entscheidet über Ihr Netzentgelt-Band — die Schwelle liegt bei 2.500 Stunden — und damit darüber, ob ein Speicher bei Ihnen eher über Eigenverbrauch oder über Lastspitzenkappung verdient.
4 · Der Überschuss. Liegt zusätzlich der Erzeugungslastgang der Photovoltaik-Anlage vor, wird je Viertelstunde sichtbar, wie viel Solarstrom das Betriebsnetz verlässt. Diese Menge — nach Tagen und Jahreszeiten aufgetragen — ist die Grundlage jeder seriösen Speicherdimensionierung.
Ein Lastgang hat Handschrift. Die Bäckerei zeigt ihre Ofenspitze ab 1:00 Uhr nachts, wenn die PV-Anlage schläft — großer Überschuss am Tag, ideale Speicherlage. Der Zweischichtbetrieb in der Metallverarbeitung deckt mit seiner Tageslast die Erzeugung fast vollständig selbst — wenig zu verschieben. Der Handel mit Kältelast läuft flach durch und hat hohe Benutzungsdauer — dort zählt die Kappung. Melkzeiten, Pausenlücken, Wochenendstillstand: Jedes Muster verschiebt das Ergebnis der Speicherrechnung, und keines davon steht in einem Branchendurchschnitt.
Bei registrierender Leistungsmessung (in der Regel ab 100.000 kWh Jahresverbrauch) zeichnet der Messstellenbetreiber die Werte ohnehin auf. Sie erhalten die Datei — üblich als CSV oder Excel, ein Jahr rückwirkend — vom Netzbetreiber oder Messstellenbetreiber; manche Lieferanten stellen sie im Kundenportal bereit. Der Anspruch auf Ihre Messwerte ergibt sich aus dem Messstellenbetriebsgesetz.
Der Weg über uns: Sie unterschreiben eine Vollmacht, wir fordern den Lastgang bei Ihrem Netzbetreiber an, rechnen ihn durch und stellen Ihnen das Ergebnis persönlich vor — Eigenverbrauch, Spitzen, Benutzungsdauer und die Antwort auf die Frage, ob sich ein Speicher bei Ihnen trägt. Fällt die Rechnung dagegen aus, steht genau das im Ergebnis.
Üblich ist eine CSV- oder Excel-Datei mit Zeitstempel und Leistungsmittelwert je Viertelstunde, teils auch als Energiewert je Intervall. Für die Auswertung sind beide Darstellungen gleichwertig; wichtig ist ein vollständiges Jahr, damit Sommer und Winter enthalten sind.
Mit einem intelligenten Messsystem (Smart Meter) liegen ebenfalls Viertelstundenwerte vor, abrufbar beim Messstellenbetreiber. Ohne beides bleibt nur der Jahresverbrauch aus der Rechnung — dann arbeiten seriöse Auswertungen mit ausgewiesenen Annahmen statt mit Scheingenauigkeit.
Die Anforderung des Lastgangs beim Netzbetreiber und die Auswertung gehören zu unserer Prüfung. Sie erhalten das Ergebnis im persönlichen Gespräch, auf Basis Ihrer Messwerte im 15-Minuten-Takt. Gerechnet wird mit Ihren Messwerten, nicht mit Durchschnittswerten.
Gawrilenko, K. (2026): Lastgang lesen: Was die Daten im 15-Minuten-Takt über Ihren Betrieb verraten. WorkSET Energy GmbH, Ulm. https://work-set.eu/wissen/lastgang-lesen.html (abgerufen am 18. August 2026)
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Stand der Angaben: 18. August 2026. Netzentgelte, Umlagen und Vergütungssätze ändern sich in der Regel zum Jahreswechsel — prüfen Sie bei Zahlenangaben das Datum dieses Beitrags.