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Fachbeitrag

Die 2.500-Stunden-Schwelle: Warum der Leistungspreis um den Faktor acht springt

Von Konstantin Gawrilenko · WorkSET Energy GmbH, Ulm · Veröffentlicht am 18. August 2026

Netzbetreiber führen für Betriebe mit registrierender Leistungsmessung zwei Preisbänder: eines für Benutzungsdauern unter 2.500 Stunden im Jahr, eines darüber. In den von uns ausgewerteten Preisblättern liegt der Leistungspreis im unteren Band bei 16 bis 20 Euro je Kilowatt und Jahr, im oberen bei 99 bis 172 Euro — rund der Faktor acht. Auf welcher Seite der Schwelle ein Betrieb steht, entscheidet über die halbe Speicherrechnung.

Was die Jahresbenutzungsdauer aussagt

Die Benutzungsdauer ist der Jahresverbrauch geteilt durch die Jahreshöchstlast. Ein Betrieb mit 400.000 kWh Verbrauch und 160 kW Spitze kommt auf 2.500 Stunden — rechnerisch läuft er 2.500 Stunden im Jahr mit voller Spitze. Die Kennzahl beschreibt also die Gleichmäßigkeit des Bezugs: Ein Kühlhaus mit konstanter Last erreicht hohe Werte, eine Werkstatt mit kurzen kräftigen Einschaltspitzen niedrige. Üblich sind bei Gewerbebetrieben etwa 1.400 bis 4.500 Stunden; die Schwelle von 2.500 Stunden nach § 17 Abs. 2 StromNEV liegt mitten in diesem Bereich.

Die Logik hinter den zwei Bändern

Die beiden Bänder verschieben das Entgelt zwischen Arbeit und Leistung: Unter 2.500 Stunden zahlt der Betrieb einen hohen Netz-Arbeitspreis je Kilowattstunde und einen niedrigen Leistungspreis, über 2.500 Stunden einen niedrigen Arbeitspreis und einen hohen Leistungspreis. In Summe folgt das dem Verursacherprinzip — wer das Netz gleichmäßig nutzt, zahlt über die Leistung; wer es punktuell nutzt, über die Arbeit. Für die Speicherfrage zählt die Konsequenz: Im oberen Band ist jedes gekappte Kilowatt ein Vielfaches wert.

Ein Beispiel aus unserer Feldrechnung

In unserer Auswertung von fünf branchentypischen Lastprofilen liegt ein Lebensmittelbetrieb mit durchlaufender Kühlung bei 2.817 Benutzungsstunden — über der Schwelle. Sein Leistungspreis springt damit von rund 17 auf 148 Euro je Kilowatt und Jahr. Die Kappung seiner 123-kW-Spitze trägt in der Simulation einen erheblichen Teil des gesamten Speichernutzens; zusammen mit dem Eigenverbrauch trägt sich das System nach gut elf Jahren. Die vier Vergleichsbetriebe unter der Schwelle erreichen mit demselben Speicher teils deutlich längere Zeiträume. Gleiche Technik, anderes Band — anderes Ergebnis.

Was das für die Speicherauslegung heißt

Aus der Schwelle folgt eine Auslegungsregel: Unter 2.500 Stunden wird der Speicher nach der Kapazität ausgelegt — er lebt vom Verschieben des Photovoltaik-Überschusses in die Abend- und Nachtstunden. Über 2.500 Stunden wird er nach der Entladeleistung ausgelegt — er lebt von der Lastspitzenkappung. Beide Größen sind bei modernen Systemen getrennt wählbar.

Zwei Feinheiten gehören zur ehrlichen Rechnung. Erstens: Eine Photovoltaik-Anlage senkt den Jahresbezug, lässt die Spitze aber oft stehen — die Benutzungsdauer sinkt, und mancher Betrieb rutscht dadurch unter die Schwelle in das teure Arbeitspreis-Band. Zweitens wirkt es auch umgekehrt: Kappt der Speicher die Spitze, steigt die Benutzungsdauer — in Grenzfällen hebt genau das den Betrieb über die Schwelle in das günstige Band. Beide Effekte stehen im Lastgang und gehören in jede seriöse Wirtschaftlichkeitsrechnung.

Häufige Fragen

Wie berechne ich meine Jahresbenutzungsdauer?

Jahresverbrauch in Kilowattstunden geteilt durch die abgerechnete Jahreshöchstlast in Kilowatt. Beide Werte stehen auf der Netzentgelt- oder Jahresrechnung. Beispiel: 350.000 kWh geteilt durch 160 kW ergibt 2.187 Stunden — unteres Band.

Mein Betrieb liegt knapp unter 2.500 Stunden. Was folgt daraus?

Knapp unter der Schwelle lohnt die genaue Rechnung besonders: Eine gekappte Spitze hebt die Benutzungsdauer an und bringt den Betrieb unter Umständen in das Band mit dem niedrigen Arbeitspreis. Ob das bei Ihnen eintritt, zeigt die Simulation am Lastgang mit den Preisblättern Ihres Netzbetreibers.

Gilt die Schwelle für jeden Betrieb?

Sie gilt für Entnahmestellen mit registrierender Leistungsmessung, in der Regel ab 100.000 kWh Jahresverbrauch. Betriebe mit Standardlastprofil zahlen reine Arbeitspreise und kennen weder Leistungspreis noch Benutzungsdauer.

Ob sich ein Speicher bei Ihnen rechnet, steht in Ihrem Lastgang. Wir holen ihn mit Ihrer Vollmacht beim Netzbetreiber ein und werten ihn aus — dafür genügt eine Unterschrift. Zur Lastgang-Auswertung →
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Gawrilenko, K. (2026): Die 2.500-Stunden-Schwelle: Warum der Leistungspreis um den Faktor acht springt. WorkSET Energy GmbH, Ulm. https://work-set.eu/wissen/leistungspreis-2500-stunden.html (abgerufen am 18. August 2026)

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Stand der Angaben: 18. August 2026. Netzentgelte, Umlagen und Vergütungssätze ändern sich in der Regel zum Jahreswechsel — prüfen Sie bei Zahlenangaben das Datum dieses Beitrags.