Die kurze Antwort ist unbequem für die Werbung und nützlich für die Praxis: An der globalen CO2-Menge ändert ein Batteriespeicher wenig — an der CO2-Bilanz Ihres Unternehmens ändert er viel. Wer die beiden Ebenen auseinanderhält, argumentiert sauber gegenüber Wirtschaftsprüfern, Kunden und der eigenen Nachhaltigkeitsberichterstattung.
Die CO2-Bilanzierung von Unternehmen folgt weltweit dem Greenhouse Gas Protocol. Es teilt Emissionen in drei Bereiche: Scope 1 sind die direkten Emissionen des Betriebs — Heizkessel, Prozessfeuerung, Fuhrpark. Scope 2 sind die Emissionen des eingekauften Stroms und der eingekauften Wärme: Sie entstehen physisch im Kraftwerk, zugerechnet werden sie dem Unternehmen, das den Strom verbraucht. Scope 3 umfasst die Lieferkette davor und danach.
Relevant wird das über zwei Kanäle. Erstens die Berichtspflicht: Unter der europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) müssen große Unternehmen ihre Scope-1- und Scope-2-Emissionen ausweisen. Zweitens — für den Mittelstand oft früher spürbar — die Lieferkette: Konzerne reichen ihre eigenen Klimaziele als Fragebögen an ihre Zulieferer durch. Wer als Zulieferer keine sinkenden Scope-2-Zahlen vorweisen kann, verliert Punkte in Lieferantenbewertungen, lange bevor ihn eine eigene Berichtspflicht trifft.
Eine Photovoltaik-Anlage erzeugt, was Sonne und Modulfläche hergeben — unabhängig davon, ob ein Speicher dahinter steht. Die eingespeiste Kilowattstunde verdrängt Strom im Netz; die selbst verbrauchte Kilowattstunde verdrängt den eigenen Zukauf, der ebenfalls aus dem Netz gekommen wäre. In beiden Fällen ersetzt dieselbe grüne Kilowattstunde eine Kilowattstunde Netzstrom. Für die Atmosphäre ist das nahezu dasselbe Ergebnis.
Daraus folgt auch eine Rechenregel für seriöse Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen: Die CO2-Kosten des Stroms stecken über den europäischen Emissionshandel bereits im Strompreis, den ein Betrieb zahlt. Wer die Stromkostenersparnis eines Speichers rechnet und zusätzlich eine „CO2-Ersparnis in Euro" addiert, zählt denselben Betrag doppelt. In unseren Auswertungen taucht CO2 deshalb nicht als eigene Euro-Position auf.
Bilanziell sind die eingespeiste und die selbst verbrauchte Kilowattstunde nicht gleich. Für EEG-vergüteten Strom dürfen keine Herkunftsnachweise ausgestellt werden (Doppelvermarktungsverbot) — die grüne Eigenschaft der eingespeisten Kilowattstunde geht im allgemeinen Strommix auf. Der Zukauf des Betriebs wird dagegen mit dem Emissionsfaktor des Strommix bilanziert, in der Größenordnung von 0,35 kg CO2 je Kilowattstunde. Nur die selbst verbrauchte Solar-Kilowattstunde steht in der eigenen Bilanz mit null.
Genau diesen Anteil erhöht der Speicher: Er nimmt den Mittagsüberschuss auf und ersetzt damit abends Zukauf. Verschiebt eine Anlage auf diese Weise rund 60.000 kWh im Jahr — eine typische Größenordnung für einen Gewerbespeicher mit 125 kW und 250 kWh an einer großen Dachanlage —, sinken die ausgewiesenen Scope-2-Emissionen um etwa 20 Tonnen CO2 pro Jahr. Das ist keine Klimarhetorik, sondern eine Zahl nach Bilanzierungsstandard, die ein Wirtschaftsprüfer nachvollziehen kann und die in Lieferanten-Fragebögen eingetragen werden darf.
Es gibt Stunden, in denen eingespeister Solarstrom nicht nur wenig wert ist, sondern gar nicht vergütet wird oder abgeregelt werden muss: bei negativen Börsenpreisen, bei Einspeisebegrenzungen und bei Redispatch-Eingriffen des Netzbetreibers. Jede Kilowattstunde, die der Speicher in diesen Stunden aufnimmt statt sie verfallen zu lassen, ist eine zusätzliche nutzbar gemachte grüne Kilowattstunde — der einzige Fall, in dem der Speicher die verwertbare Solarstrommenge tatsächlich vergrößert. Mit dem wachsenden Photovoltaik-Ausbau nehmen diese Stunden Jahr für Jahr zu.
Nicht jede verdrängte Netz-Kilowattstunde ist gleich schmutzig. Mittags, wenn Solarstrom das Netz flutet, verdrängt eine zusätzliche grüne Kilowattstunde häufig andere erneuerbare Erzeugung. Abends decken Gas- und Kohlekraftwerke die Restlast — die dann verdrängte Kilowattstunde ist deutlich emissionsintensiver. Ein Speicher, der Solarstrom vom Mittag in den Abend verschiebt, ersetzt also im Mittel fossilere Erzeugung, als es die direkte Mittagseinspeisung täte. Dieser Effekt lässt sich mit stundenscharfen Emissionsfaktoren beziffern und ist der sauberste Klimabeitrag, den man einem Speicher zuschreiben kann.
Für Betriebe, die unter die CSRD fallen oder Fragebögen ihrer Großkunden beantworten, wird der Speicher damit zu einem Berichtsinstrument: Die Lastganganalyse, die ohnehin die Wirtschaftlichkeit belegt, liefert dieselben Daten, aus denen sich die Scope-2-Wirkung berechnen lässt — verschobene Kilowattstunden mal Emissionsfaktor, dokumentiert und prüffähig. In unseren Auswertungen weisen wir diese Position getrennt vom Geld aus: Die Tonnen gehören in den Nachhaltigkeitsbericht, die Euro stehen in der Stromkostenrechnung. Beides aus denselben Messwerten, nichts doppelt gezählt.
Global gesehen kaum: Die Photovoltaik-Anlage erzeugt dieselbe Menge Solarstrom, ob er eingespeist oder gespeichert wird — in beiden Fällen verdrängt er Strom aus dem Netz. Drei Effekte gehören dem Speicher aber wirklich: die verbesserte Scope-2-Bilanz des Unternehmens, gerettete Kilowattstunden bei Abregelung und die Verschiebung vom PV-reichen Mittag in die fossil geprägten Abendstunden.
Ja, messbar — in Scope 2. Selbst verbrauchter Solarstrom geht mit null in die Bilanz ein, eingekaufter Netzstrom mit dem Emissionsfaktor des Strommix (Größenordnung 0,35 kg CO2 je kWh). Bei rund 60.000 verschobenen Kilowattstunden im Jahr sinken die ausgewiesenen Scope-2-Emissionen um etwa 20 Tonnen CO2.
Scope 1: direkte Emissionen des Betriebs (Kessel, Prozesse, Fuhrpark). Scope 2: Emissionen des eingekauften Stroms und der eingekauften Wärme — entstanden im Kraftwerk, bilanziert beim Verbraucher. Scope 3: die vor- und nachgelagerte Lieferkette. Die Einteilung stammt aus dem Greenhouse Gas Protocol.
Für EEG-vergüteten Strom dürfen keine Herkunftsnachweise ausgestellt werden (Doppelvermarktungsverbot). Die grüne Eigenschaft der eingespeisten Kilowattstunde geht bilanziell im Strommix auf; der Zukauf des Betriebs bleibt Graustrom. Nur die selbst verbrauchte Solar-Kilowattstunde bleibt in der eigenen Bilanz grün — genau diesen Anteil erhöht der Speicher.
Gawrilenko, K. (2026): Spart ein Batteriespeicher CO2? Was er fürs Klima tut — und was für Ihre Scope-2-Bilanz. WorkSET Energy GmbH, Ulm. https://work-set.eu/wissen/speicher-co2-bilanz.html (abgerufen am 26. August 2026)
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Stand der Angaben: 26. August 2026. Emissionsfaktoren des Strommix und Berichtspflichten werden fortgeschrieben — prüfen Sie bei Zahlenangaben das Datum dieses Beitrags.